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Was ist eine Freikirche?

Volks- und Freikirchen unterscheiden sich vor allem an drei Punkten:

1.) Im Selbstverständnis:

Volkskirchen haben in der Regel das Selbstverständnis, Kirche für ein ganzes Volk zu sein. Das hat konkrete Auswirkungen: Zum Beispiel haben sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche in Deutschland jeden Quadratmeter Boden auf eine "Parochie" - eine Kirchengemeinde - aufgeteilt.

Freikirchen haben in der Regel das Selbstverständnis einer Glaubensgemeinschaft.


2.) In den Voraussetzungen zur Mitgliedschaft:

In den Volkskirchen ist die Säuglingstaufe die Grundlage für eine Mitgliedschaft. Insofern wird man in eine Volkskirche quasi hineingeboren und setzt sich erst später damit inhaltlich auseinander.

Demgegenüber sind eigentlich alle Freikirchen unterschiedlichster Art "Freiwilligkeitskirchen": Mitglied kann man nur durch eine bewusste eigene Entscheidung für den christlichen Glauben werden.


3.) In der Organisation:

Volkskirchen haben immer eine gewisse Nähe zum Staat: In Deutschland sind sie "Körperschaften öffentlichen Rechts", Pfarrer sind Beamte, die Finanzierung geschieht über die Kirchensteuer usw.

Freikirchen achten in der Regel bewusst auf eine große Selbstständigkeit gegenüber dem Staat: Sie machen sich weder finanziell noch organisatorisch von diesem abhängig. Die Finanzierung geschieht durch freiwillige Spenden der Mitglieder.


Vor dem Jahr 380 n. Chr. gab es kirchengeschichtlich sozusagen nur das freikirchliche Modell: Christen waren im römischen Reich zunächst eine stark wachsende Minderheit und wurden brutal verfolgt. Im 4. Jahrhundert kippte die Verfolgung zur Duldung. Und im Jahr 380 n. Chr. schließlich wurde das Christentum zur Staatsreligion erklärt. Andere Religionen wurden quasi über Nacht verboten. Die Säuglingstaufe wurde nun auf staatliche Anordnung eingeführt. So meinte man innerhalb einer Generation das ganze römische Reich christlich machen zu können. Von nun an gingen für Jahrhunderte der weiteren Geschichte Staat und Kirche bzw. Macht und Glaube Hand in Hand. Das war eine fatale Entwicklung, die an manchen Stellen schwerwiegende Folgen für den christlichen Glauben nach sich zog. Die Kreuzzüge sind ein Beispiel dafür.

Die Erfahrungen von Jahrhunderten von Staats- und Volkskirchen geben uns also eine Problemanzeige: Es tut christlichen Kirchen in der Regel nicht gut, allzu eng mit der politischen Macht Hand in Hand zu gehen. Manchmal haben Volkskirchen ein Verständnis einer Monopolkirche entwickelt und andere Kirchen in ihrem Machtbereich an den gesellschaftlichen Rand gedrängt oder sogar als Sekten bekämpft. Zu anderen Zeiten führte eine zu große Nähe zur Macht inhaltlich zu Kompromissen oder sogar zu Pervertierungen. Oder der volkskirchliche Wunsch, als Kirche eines ganzen Volkes anerkannt zu sein, konnte dazu führen, dass dem Zeitgeist das Wort geredet wurde statt sich zur unbequemen und gegen den allgemeinen Strom gebürsteten Wahrheit des Evangeliums zu stellen. Manchmal führte auch der Versuch, einer pluralistischen Gesellschaft in ihrer gesamten Breite Heimat in einer Volkskirche zu geben zu einem Identitäts-, Glaubens- und Werteverlust in Volkskirchen.

Aber auch das freikirchliche Modell birgt seine Gefahren: Manche Freikirchen wurden schon zu exklusiven Zirkeln. Andere verloren den Bezug zur Gesellschaft und erstarrten in Tradition oder wurden eng und weltfremd im Denken.


Beide Modelle haben Vor- und Nachteile. Dennoch hat das freikirchliche Modell eine ursprünglichere Nähe zum biblischen Vorbild:

Kirche als eine freiwillige und bewusste Glaubensgemeinschaft derer, die dem Ruf Jesu zu Nachfolge und Jüngerschaft folgen.

Kirche, die der Welt die gute Botschaft Gottes weitersagt und ihr dient - die aber nicht schon vom Konzept her von ihr durchdrungen wird.

Kirche, die die Kraft hat auch gegen Modeströmungen und Zeitgeist bei der einfachen und klaren biblischen Botschaft zu bleiben - und die sich nicht beeinflusst durch staatliche Förderung, zu enge gesellschaftliche Verflechtung, zu große Nähe zur politischen Macht oder durch zu großen Pluralismus anpasst und ihre Ursprünglichkeit verliert.


Unser deutsches Wort "Kirche" ist vom griechischen "Kyriakos" abgeleitet: "Dem Herrn gehörig". Das im griechischen Neuen Testament am häufigsten gebrauchte Wort für "Gemeinde" ist "Ekklesia": "Die Herausgerufenen" (nämlich aus einem Leben ohne Gott bzw. aus der Welt).

Zu einem solchen Verständnis von "Kirche" hat das freikirchliche Modell vom Konzept her eine ursprünglichere Nähe - je nachdem, wie es gefüllt wird.